Liebe Konfis, liebe Gemeinde,
die Treppe zum Haupteingang der Schule kennen sie auswendig. 19 Stufen, dann kommt die Doppeltür, dann die große Eingangshalle. Da treffen sie sich, jeden Morgen. Zumindest an Schultagen. Lina steht immer dabei. Die Gespräche drehen sich um die Lehrer, um Klassenarbeiten und um andere Leute. Doch heute ist es anders. Denn einer fragt Lina: „Bist du am Wochenende dabei?“ „Nee“, sagt Lina, „da kann ich nicht. Wir sind auf einer Konfirmation.“ „Auf einer was?“ , fragt ein anderer. Lina erklärt, dass sie da in die Kirche gehen und dass ihre Cousine konfirmiert wird. Dass sie Ja sagt zu Jesus und zu ihrem Glauben. Einige schauen sie jetzt merkwürdig an. Ein bisschen so, als wäre sie eine Außerirdische. Dann läutet es zur ersten Stunde.
Diese Szene könnte sich an vielen Orten abspielen. Und nicht nur in der Schule.
Zur Kirche zu gehen, sich zu seinem Glauben zu bekennen – das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Manche mögen das beklagen. Andererseits ist es doch so: Gerade weil es nicht mehr selbstverständlich ist und von allen erwartetet, entscheiden sich manche bewusster dafür. Es gehört etwas dazu, sich zu entscheiden.
Das haben wir gerade auch in der Lesung mitbekommen. Jesus fordert zur Entscheidung. Darum ging es. Er trifft auf ganz unterschiedliche Menschen:
Der erste will sofort mit ihm mitgehen. Jesus antwortet: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest; aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich hinlegen und ausruhen kann.« Das heißt: Überlege dir gut, ob du das wirklich willst. Denn ich, der Menschensohn, habe noch nicht mal einen Platz, wo ich mich hinlegen und ausruhen kann. Ich bin immer unterwegs, zu den Menschen. Willst du das?
Einen anderen spricht Jesus an und fordert ihn auf, ihm nachzufolgen. Doch der zögert. Er will zuerst noch die Beerdigung seines Vaters hinter sich bringen. Doch Jesus will, dass er ihm sofort folgt. Hier und jetzt wird Gottes Wirklichkeit anbrechen.
Der dritte will sich vorher noch von seinen Lieben verabschieden. In Ruhe aufbrechen. Das ist doch verständlich. Doch Jesus antwortet: »Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, den kann Gott nicht gebrauchen, wenn er jetzt seine Herrschaft aufrichten will.«
Wenn ich ein Feld pflüge, dann muss ich nach vorne schauen. Sonst laufe ich Gefahr, dass der Pflug, der damals noch von Ochsen gezogen wurde, in eine völlig verkehrte Richtung pflügt. Mit dem Blick nach vorn behalte ich mein Ziel im Blick, den Boden gut vorzubereiten, damit auf dem Acker Neues wachsen kann.
Wen habe ich im Blick? Ist es Jesus, der auch uns auffordert, ihm nachzufolgen?
Will ich das? Und welche Folgen hat das für mein Leben?
Einfach ist es auch für uns nicht. Soviel ist klar. Denn diese Entscheidung müssen wir eigentlich Tag für Tag treffen. Wir treffen sie, indem wir versuchen nach Gottes Willen zu leben. Jesus hat gesagt, dass wir unseren Nächsten, also unsere Mitmenschen genauso lieben sollen wie Gott und uns selbst. Liebe ich Gott, dann soll ich auch meine Mitmenschen lieben und zwar nicht nur die, die ich ohnehin liebhabe.
Lina hat dieser Morgen in der Schule nachdenklich gemacht. Sie hat beschlossen, nicht zu verheimlich, dass sie an Gott glaubt. Und sie möchte die Bibel lesen und sich damit beschäftigen. Sie erzählt ihrer Freundin davon. Die findet das gar nicht doof. Und so fangen sie an, gemeinsam zu lesen.
Ein anderer lebt ganz konkret vor, was für ihn Nachfolge heißt. Er wird auf dem Schulhof geschubst und ärgert sich. „Wie kann der nur?“, fragt er sich und hätte dem Rempler am liebsten eine reingehauen. Er tut es nicht. Er tritt einen Moment zurück und schafft es, Abstand zu halten.
Es sind die kleinen Momente, die oft einen Unterschied machen. Es macht einen Unterschied, ob ich weggucke, wenn Unrecht passiert oder nicht. Es macht einen Unterschied, ob ich versuche immer wieder mit Respekt und Ehrlichkeit meinen Mitmenschen gegenüberzutreten, auch wenn ich sie nicht leiden kann. Es macht einen Unterschied, ob ich Jesus nachfolge oder nicht.
Wenn ich mit Jesus unterwegs bin, darf ich darauf vertrauen, dass er an meiner Seite ist und bleibt. Da habe ich jemanden, bei dem ich meine Sorgen loswerden kann. Ich kann sie ihm im Gebet anvertrauen. Ich weiß, ich bin nicht allein. Und ich kann mich an dem orientieren, was Jesus gesagt und vorgelebt hat.
Einfach ist es nicht. Hat auch keiner behauptet.
Aber wenn wir nach vorne schauen, Jesus nachfolgen, dann wird Gottes Reich Tag für Tag ein Stückchen mehr Wirklichkeit. Woran man das merkt? Dass nicht der Hass, sondern die Liebe sich durchsetzen, dass wir zusammenhalten und einander helfen und anderen ohne komische Gefühle davon erzählen können, dass wir Christinnen und Christen sind und keine Außerirdischen.
Amen.