Predigt am 18. Sonntag nach Trinitatis über Epheser 5,15-20 von Dr. Ulrich Hofeditz

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Epheser 5,15-20)

Liebe Gemeinde,

Diese doch strengen Worte des Paulus, möchte ich als Frage umformulieren: Warum sitzen heute Morgen hier sitzen?

Die Antwort wäre spannend von Ihnen zu hören. Wenn Sie Lust haben es mir nachher oder zu einem späteren Zeitpunkt zu erzählen, sprechen Sie mich gerne an. Jetzt aber für die Predigt möchte ich diese Frage für die Zeit des Paulus umformulieren. Warum sind denn damals die Menschen zu den Hauskirchen und in die Gemeinden gekommen. Es war ja damals nicht so, als wenn es keine anderen Angebote gegeben hätte. Im römischen Reich gab es eine Vielzahl von religiösen Systemen: Tempel mit Göttern für jede Gelegenheit, die griechisch-römischen Götter: Zeus, Hera, Hades, Hephaistos, Poseidon und die vielen Helden, wie Herakles. Wenn jemand ein Anliegen hatte, konnte zu einer bestimmten Gottheit gehen, so stand bei Liebesdingen Aphrodite bereit.

Die eher mystischen Götter, die aus dem Partherreich ins römische Reich importiert wurden, waren mit Wahrsagerei und Omen behilflich. Dazu Schutzzauber und allerlei mehr.

Mysterienkulte zu den nur Eingeweihte Zugang hatten und die eine verschworene Gemeinschaft bildeten. Kybele und Attis aus Kleinasien. Der Weingott Dionysus hatte seinen eigenen Kult, indem Wahrheit vermittelt wurde, welche normalen Menschen nicht zugänglich waren. Diese Mysterienkulte waren so erfolgreich, dass z. B. der Isis-Kult aus Ägypten eine Filiale in der römischen Stadt Mongotiacum, unserer heutigen Landeshauptstadt Mainz, gründete.

Dazu kamen viele nahezu atheistische Strömungen der Philosophie, die keine Götter brauchten und teilweise sogar bewusst ablehnten.

Also alles nicht so ganz anders als heute. Und dennoch stellt sich die Frage, warum war damals das frühe Christentum so attraktiv, dass es innerhalb von nicht einmal 300 Jahren seiner Gründung zur zentralen Religion des römischen Reiches werden konnte?

Als Christ würde ich immer sagen: Gott hat geschenkt, dass sich die Kirche ausbreiten und etablieren konnte. Trotz allem hätten doch damals die Menschen nicht gesagt ich gehe in die Kirche, weil es nur einen Gott gibt. Und anders ist es ja heute auch nicht, dafür ist das Angebot zu groß. Und ebenso zeigen die frühen Berichte in der Bibel, dass es schon früh Konflikte in der jungen Gemeinde um Verhaltensweisen und theologische Auslegung gab.

Wenn sich damals jemand auf den Marktplatz gestellt hat und gerufen hat: „Ich habe den wahren Gott und ihr alle nicht.“ Dann hätte es damals nicht funktioniert, genauso wenig wie es heute funktionieren würde.

Also alles keine Argumente dafür, warum das Christentum damals attraktiv hätte sein können. Starke Konkurrenz von außen, neu auf dem Markt und so manch ein Streit innerhalb der jungen Gemeinde.

 

Paulus, der an der Ausbreitung des jungen Christentums maßgeblich beteiligt war, hat die Botschaft und das Leben Jesu in seinen Briefen und Reden so beschrieben, dass jeder, auch der damalige römische Bürger, der bisher noch nicht dem christlichen Glaubens in Berührung gekommen ist, schnell verstehen konnte, warum es eigentlich geht.

In unserem heutigen Predigttext finden sich die wichtigen Punkte, die für das Denken und Leben der Gemeinde zentral waren und letztendlich den Glauben und die Kirche attraktive machten.

Die Zeit des Menschen auf der Erde ist begrenzt. Paulus erlebt die Tage in der Welt als böse, nicht weil die Welt, in der wir leben, durchgängig schlecht und freudlos wäre, sondern die Welt entspricht nicht dem, für was der Mensch geschaffen worden ist. Der Mensch ist für die Gemeinschaft mit Gott geschaffen und in diese Gemeinschaft werden wir wieder kommen, wenn wir in das Reich Gottes eingehen werden. Eine Hoffnung die über den Tod hinausgeht. Und diese Hoffnung begründet sich auf der Botschaft vom Tod und der Wiederkunft Christi.

Von dieser Botschaft sollen alle Menschen hören und daher ist die Gemeinde aufgefordert, diese allen Menschen weiter zu sagen. Und wenn alle Menschen diese Botschaft hören sollen, so sind alle Menschen eingeladen in die Gemeinde, ohne Unterschied. An anderer Stelle heißt es dazu bei Paulus, jedoch im Brief an die Galater: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau.“ (Gal 3,28a) Heute würde man wahrscheinlich sagen, hier ist weder Syrer, noch Russe, hier ist nicht Harzer noch Millionär. Alle sind willkommen!

Vor diesem Hintergrund dürfen und sollen wir einander ermutigen und Gott danken. Ermutigen, dass wir in dieser nicht idealen Welt – und ich brauche hier gar nicht viel zu erzählen, ein Blick in die Nachrichten genügt schon – Gemeinde zusammenstehen und vor Gott sind. In der Erwartung, dass wir in Richtung der Herrlichkeit Gottes unterwegs sind. Nicht indem wir die Welt und die Not um uns herum ablehnen oder ignorieren. Und auch nicht indem wir das viele Schöne um uns herum nicht genießen würden, wie unsere Familien, unsere Freunde und auch das was wir besitzen. Allerdings darf unsere Perspektive eine andere sein: Wir erwarten unsere richtige Heimat in der Ewigkeit bei Gott.

Und daher glaube ich auch, dass Gemeinde und Kirche, und auch wir als Johanneskirche in Pirmasens, noch relevant und wichtig ist. Weil jeder Mensch, egal wo er oder sie herkommt, egal wie reich oder arm er ist, egal was sie beruflich macht, bei uns willkommen ist. Weil jeder Mensch sich hier ermutigen lassen darf, ob in schwierigen oder leichten Lebensumständen. Weil jeder ein wertvolles Mitglied in unserer Gemeinschaft ist, der etwas mit in diese Gemeinschaft bringt. Weil jede von uns von Gott gesegnet wurde, wofür die Einzelne aber auch wir als Gemeinschaft Gott danken dürfen. Und weil wir als Christin und Christinnen Berufene im Glauben sind, die wissen dürfen, dass diese Leben nicht das Einzige ist was wir haben, sondern es ein mehr gibt.

Ich freue mich daher, dass Sie mit mir auf diesem Weg sind.

Amen.

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