Predigt zum Erntedankfest (04.10.2026) über Markus 8,1-9 von Kerstin Strauch

Liebe Gemeinde!

Jesus macht 4000 Menschen mit ein sieben Broten und ein paar Fischen satt. So berichtet es uns das Markusevangelium. Wir haben die Geschichte gerade in der Lesung gehört.

Vorher hatten die Leute drei Tage lang Jesu Predigten gehört. Sie hatten ihn erlebt, vielleicht hat er auch dort, in der Wüste, Menschen geheilt, ihnen Mut gemacht. Auf alle Fälle hat er Leute angezogen und fasziniert. Sonst wären die 4000 ihm nicht an diesen Ort gefolgt.

Und nun merkt Jesus, dass sie Hunger haben. Das tut ihm leid. Es jammerte ihn. Er will nicht, dass die Leute sich hungrig auf den Heimweg machen müssen. Er ahnt: Das werden einige nicht überstehen. Er will für Essen sorgen. Das kriegen auch die Jünger mit. Und ihre Reaktion ist deutlich: „Das geht nicht!“

Wo soll denn das Essen herkommen an einem Ort, wo es nichts gibt?

Es geht nicht. Mit anderen Worten: Hier bewegt sich nichts mehr.

Es geht nicht. Wochenlang haben sie es versucht, mit Gesprächen, sogar bei einer Eheberatung sind sie gewesen. Sie haben versucht, etwas zu bewegen, sich wieder mehr aufeinander zu zu bewegen. Aber es geht nicht.

Es geht nicht. Seit über einer halben Stunde hat sie versucht, den Computer ans Laufen zu bringen. Zuerst blinkt der Startknopf wie immer, dann erscheint kurz auf dem Bildschirm ein Logo und dann „Error“. Fünf Buchstaben, die anzeigen, dass hier nichts mehr geht.

Es geht nicht. Seit Jahren wird um Möglichkeiten gerungen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Es wurden Gespräche geführt, Politiker aus unterschiedlichsten Ländern haben versucht zu verhandeln, Friedensverhandlungen anberaumt. Kurz flammt Hoffnung auf. Aber immer wieder heißt es: Es geht nicht.

Drei Worte. Stillstand. Hier ist Schluss. Was du vorhast, was weiterführen würde, ist unmöglich. Es gibt Gründe dafür: keine Lebensmittel in der Wüste, Verständnislosigkeit und Verletzungen, Angewiesensein auf Technik und das Streben nach Macht und Besitz.

Stellen wir uns vor, es wäre so gekommen, damals in der Wüste: Jesus will die Menschen satt machen und die Jünger stellen fest: „Es geht nicht.“ Jesus zuckt mit den Schultern. „Dann eben nicht!“, sagt er und geht weg. Er verlässt die Leute und die Leute verlassen den Weg, den sie mit Jesus angefangen hatten. Manche kehren zurück in ihr altes Leben. Andere bleiben auf der Strecke. Und Jesus? Von dem hat man nie wieder was gehört.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich frustriert diese Szene. Und – Gott sei Dank! – ist es so auch nicht weitergegangen. Denn wir wissen: Es ist das passiert, was eigentlich nicht geht. Eigentlich. Wäre es nicht Jesus, der da handelt. Denn er lässt Wunderbares geschehen. Wie das funktioniert hat, keine Ahnung. Denn eigentlich geht es ja nicht. Aber es hat funktioniert. Jesus nahm die sieben Brote, die die Jünger noch hatten, und dankte dafür. Es war wenig, viel zu wenig, um 4000 satt zu machen. Aber etwas war da. Und dafür dankte Jesus. Und dann teilte er das aus und genauso auch die Fische. Alle wurden satt und es blieb noch eine Menge übrig.

Der Satz „Es geht nicht“ ist wie eine dicke Mauer, die in meinem Kopf hochgezogen wird. „Es geht nicht“ heißt: keine Chance, müh dich hier nicht weiter ab, lass es sein.

Was aber, wenn es doch ginge? Genau da geschieht in der Geschichte das Wunder. Da hat Jesus hinter die Mauer geschaut. Was, wenn doch?

Wenn ich es versuche? Wenn ich mich nicht abschrecken oder abhalten lasse?

Bei Jesus ging es um ganz konkrete Bedürfnisse. Wir alle brauchen essen und trinken. Es ging für ihn gar nicht, dass die Leute hungerten. Und er hat es geschafft, sie satt zu machen.

Ein erster Schritt war die Wahrnehmung: Was passiert hier gerade? Wie geht es den Menschen um mich herum? Was brauchen die und was kann ich tun?

Dann machte sich Jesus an die Umsetzung: Was habe ich, was helfen könnte? Zu wenig? Vielleicht, aber ein Anfang. Ich bin dankbar für das, was ich habe. Und damit fange ich jetzt an, mal sehen, was passiert.

Wie die Geschichte endet, haben wir gehört.

Es geht nicht. Vielleicht fragen die beiden sich, was der andere braucht und was helfen könnte? Vielleicht richten sie ihre Aufmerksamkeit auf das, was sie haben, was ihre Beziehung ausmachte und können für manches dankbar sein. Mal sehen, was passiert.

Es geht nicht. Da ist ein Computer. Er funktioniert nicht. Selber reparieren geht nicht, aber vielleicht ist da einer, der es kann. Fragen kostet nichts.

Es geht nicht. Frieden ist eine große Sehnsucht. Vielleicht sind da Menschen, die mitleiden mit denen, die vom Krieg betroffen sind. Sie stehen auf, gegen das Vergessen, weil der Krieg mittlerweile zum Alltag gehört. Sie schweigen nicht. Einige beten. Es kann sich etwas verändern, weil wir die Hoffnung nicht aufgeben.

Es geht doch etwas. Heute, zum Erntedankfest, haben wir wieder vieles hier vorne aufgebaut. Es sind Sachen, die uns zeigen, was uns geschenkt ist, wovon wir leben. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen diese Produkte herstellen, dass sie gut wachsen, dass sie in unseren Läden oder auf dem Markt landen. Dahinter steht viel Arbeit, viel Logistik und letztlich Gottes Segen. Warum wachsen Früchte auf dem Feld? Klar, weil der Bauer sie anpflanzt. Aber auch er hat es nicht allein in der Hand, ob die Ernte gut wird oder schlecht. Darum danken wir, Jahr für Jahr, für dieses Wachsen und Gedeihen, für Produktion und Ernte.

Und wir geben weiter. Damit machen wir nicht alle Menschen satt. Aber einzelne, die hier nebenan um Hilfe bitten. Die ganz konkrete Bedürfnisse haben, ihren Hunger stillen wollen. Es sind nur ein paar Nudeln und Konserven und Kartoffeln. So wenig. Die Not lindern? Das geht nicht. Vielleicht doch? Wer weiß, was es bewirkt, dass wir wahrnehmen, wie es dem Menschen neben mir geht und ich versuche zu helfen. Wir sollten nicht unterschätzen, was unsere kleinen ersten Schritte bewirken. Wenn wir gehen und nicht sagen: Es geht nicht.

Und wer weiß, wo und wann ein Wunder geschieht? Wir können mit dem Propheten Jesaja danken und darauf gefasst sein: „HERR, du bist mein Gott! dich preise ich; ich lobe deinen Namen, denn du tust Wunder!“ (Jes 25,1a)

Amen.

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