Minutengedanken zu Markus 9: Ich glaube, hilf meinem Unglauben

Glaube, das ist für mich wie ein Rettungsring, nachdem ich greifen kann. Der Glaube an Gott birgt mich, auf ihn ist Verlass, da bin ich sicher: Mir kann nichts passieren!

Das höre ich immer wieder in Gesprächen, mit solchen oder ähnlichen Worten. Der Glaube an Gott ist etwas, was trägt, was mich durchträgt in meinem Leben. Gerade in schwierigen Situationen, in Momenten, wo ich Beistand brauche, da hilft mir mein Glaube. Voller Zuversicht, voller Mut gehe ich durchs Leben, weil ich weiß: Ich bin in Gott geborgen. Er ist bei mir.

Solche Momente gibt es in meinem Leben, vielleicht auch in Ihrem Leben. Da fühlt man sich fast unverwundbar. Alles verläuft wunderbar, man steht fest im Glauben und er trägt einem im Alltag. Voller Hoffnung, ganz ohne Zweifel bin ich unterwegs, freue mich an Gottes Beistand, am Leben, an dem, was Gott mir schenkt.

Tolle Momente sind das, in denen wir uns getragen wissen von Gott und frohen Mutes sind. Genießen Sie diese Momente, freuen Sie sich an ihnen, seien sie dankbar, dass Sie so hoffnungsvoll sein können. Es ist in der Tat auch ein Geschenk, das Gott ihnen macht.

Sie fühlen sich von Gott geborgen, getragen wie von einem Rettungsring im Wasser, in den Wellen. Trotz Seegang kann Ihnen nichts passieren, Gott trägt Sie in seinen Armen.

Doch da gibt es auch andere Tage. Tage, in denen der Mut und die Hoffnung schwindet, wo der Zweifel sich breitmacht. Zeiten ohne Rettungsring, aber mit hohem Wellengang, in denen Gottes Nähe und Beistand nicht so eindeutig zu spüren sind. Zeiten der Angst und der Verzweiflung, Zeiten, in denen sie nicht wissen, wie es weitergehen soll. Da werden die Fragezeichen in ihrem Leben immer größer: Warum? Warum ich? Warum lässt Gott das zu? Warum tut er mir das an? Wie soll es weitergehen? Was soll ich jetzt bloß machen?

Vielleicht kennen Sie auch solche Situationen, erkennen Sie sich in diesen Fragen, in diesem Ringen nach dem Warum?

Dem Vater des kranken Jungen geht es bestimmt genauso in dem Moment, wo er vor Jesus steht. Selbst die Jünger konnten dem Jungen nicht helfen. Schon wieder eine Enttäuschung. Wie soll es denn weitergehen? Am liebsten würde sich der Mann wahrscheinlich vergraben, sich in seinem Gram ergießen und einfach niemanden mehr sehen. Resignation, es hilft ja doch nichts.

Viele Zweifel tauchen auf in dieser Geschichte, viele Fragezeichen. Antworten sind nicht immer leicht zu finden und auf manche Fragen werden wir in diesem Leben möglicherweise gar keine Antwort mehr bekommen.

Doch unsere Geschichte endet nicht mit Resignation und Verzweiflung, denn in seiner Verzweiflung wendet sich der Mann Jesus zu, schreit ihm all seine Verzweiflung, seine Zweifel, seine Angst und seine Wut an den Kopf: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Und das genügt. Jesus braucht keine tiefe Glaubensgewissheit, keine unbändige Zuversicht. Ihm reicht der verzweifelte Angstschrei dieses Vaters. Mit all seinen Zweifeln wendet er sich im Gebet (Hände) an Gott. Und Gott hört sein Gebet, sieht den Glauben hinter all den Zweifeln, sieht die Zuversicht und die Hoffnung hinter all der Wut und Resignation. Und das genügt.

Der Junge wird gesund, Heilung und Rettung ist da, mitten im Zweifel und der Anfechtung entsteht neuer Glaube. Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Dieser zunächst etwas merkwürdige Satz steht als Losung über diesem Jahr 2020. Dieser Satz soll uns auf dem Weg durch das Jahr begleiten, uns Kraft und Orientierung schenken. Das kommt für mich dabei in

Zum einen: Es ist in Ordnung, zu zweifeln. Unser Glaube ist nicht jeden Tag unerschütterlich, wir geraten im Gang der Wellen manchmal ins Wanken, fangen an zu grübeln und fast scheint es so, als würden wir untergehen. Zweifel sind erlaubt. Was wir dann tun können, hören wir in dieser Geschichte: Wir wenden uns an Gott mit unserer ganzen Verzweiflung: Hilf meinem Unglauben, Gott! Wirf mir diesen Rettungsring zu, den ich verloren habe, damit ich nicht untergehe!

Und zum anderen: Gerade in den schweren Zeiten des Zweifelns ist das Gebet ungemein wichtig. Sich mit all den Ängsten, Nöten, Sorgen und der Verzweiflung an Gott zu wenden, ihm im Gebet alles hinauszuschreien, verändert etwas. Im Gebet kann ich mich Gott ganz neu zuwenden, mich wieder einnorden, mir wieder neue Kraft holen für meinen mitunter steinigen Weg. Und dann bin ich plötzlich mitten in den Zweifeln, den ganzen Fragezeichen wieder bei Gott, der mein Rettungsring sein will bei ruhiger See und besonders auch in großer Seenot.

Gott ist bei uns, gerade auch in den schweren Zeiten, auch wenn wir zweifeln, denn Gottes Liebe lässt sich durch unsere Zweifel nicht verdrängen.

Komm zu Gott mit all deinen Zweifeln. Und das genügt. Amen.

Schreibe einen Kommentar

fünf × zwei =