Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis über Römer 10,9-17 von Kerstin Strauch

Kannst du sagen, was du glaubst? In Worten formulieren? Worauf baust du dein Leben? Was zählt?

Es sind die großen Lebensfragen, die uns herausfordern. Fast niemand kommt an ihnen vorbei. Denn irgendwann kommt immer der Moment, wo du dich fragst: Was ist es, was die Welt im Innersten zusammenhält?

Manche kriegen eine Ahnung davon, wenn sie in der Natur unterwegs sind. Gerade hier bei uns im Pfälzer Wald kann eine Wanderung oder auch ein kleiner Spaziergang viel davon vermitteln, dass wir Menschen eingebunden sind in einen großen Zusammenhang.

Andere suchen nach Antworten, indem sie viel lesen, Gesprächskreise besuchen oder Diskussionsrunden im Fernsehen verfolgen.

Manchmal sind es auch die Gespräche mit Familienangehörigen oder Freunden, die sich um dieses Thema drehen: Glaubst du an Gott?

Aber eigentlich reden wir nicht so viel darüber. Die meisten tun es jedenfalls nicht. Religion ist Privatsache. Geht doch eigentlich niemanden etwas an, was ich glaube. Einige machten auch die Erfahrung, dass sie schräg angeguckt wurden, wenn sie zu ihrem Glauben öffentlich standen. Und so ist das Thema Glaube nichts, worüber so oft geredet wird. Außer in der Kirche, da erwartet man das natürlich. Wenigstens hier. Und das ist ja auch richtig und gut.

So verwundert es auch nicht, dass sich bei Paulus im Römerbrief vieles um das Thema Glaube dreht. Ich lese einige Verse aus dem 10. Kapitel:

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.

Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.

Denn die Schrift spricht (Jesaja 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«

Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.

Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).

Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?

Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«

Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?«

So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Ein Spitzensatz ist das. Der Glaube soll aus der Predigt kommen! Ein ganz schön hoher Anspruch ist das an alle, die auf der Kanzel stehen. Paulus geht es hier aber keineswegs darum, die Predigerin oder den Prediger auf einen hohen Sockel zu heben oder unerfüllbare Erwartungen zu schüren. Ihm geht es einzig und allein um die Frage: Wie kommen wir denn zum Glauben?

Seine Antwort: durch die Predigt, die sich immer auf das Wort Christi bezieht, also auf das, was Jesus gelehrt und gesagt hat. Persönlich würde ich es jedoch auf die ganze Heilige Schrift beziehen. Es geht darum, dass alle Menschen Zugang zum Glauben haben können und alle erfahren, welche Freiheit im Evangeliums steckt und wie der Glaube unser Leben bereichern kann. Der Glaube ist nicht einer bestimmten Nation, einem Geschlecht, einer Tradition vorbehalten. Er ist nicht an Grenzen gebunden und die Verkündigung soll es auch nicht sein. Das Evangelium soll erreichbar sein und hörbar, für alle.

Der Glaube kommt aus der Predigt. Verständlicher wäre es zu sagen: Der Glaube kommt aus der Verkündigung, aus dem Hören, aus dem Erleben.

Davon zu erzählen und das vorzuleben fördert den Glauben. Es müssen also keine stundenlangen Predigten sein, die Glauben wecken (manchmal erreichen solche Sermone gerade das Gegenteil, keiner hört zu und alles sind froh, wenn’s vorbei ist). Vielmehr sollen Gottes Worte, die Erfahrung seiner Gegenwart, uns im Alltag erreichen.

Ich stieß auf folgenden kleinen Text eines unbekannten Verfassers, der das zum Ausdruck bringt:

Jeden Tag sagt Gott zu uns, vielleicht manchmal ganz leise,

doch an bestimmten Tagen ganz deutlich: Ich bin da.

In das Dunkel deiner Tage, deiner Vergangenheit, und in das Ungewisse deiner Zukunft, in die Bewegtheit deines Lebens und in das Elend deiner Ohnmacht lege ich meine Zusage: Ich bin da.

In das Spiel deiner Gefühle, in die Unsicherheit deiner Entscheidungen und in den Ernst deiner Gedanken, in den Reichtum deines Schweigens und in die Armut deiner Sprache lege ich meine Zusage: Ich bin da.

In die Freude deiner Tage und in den Schmerz deines Versagens,

in die Grenzen deiner Begabung und in die Anstrengungen deines Betens

lege ich meine Zusage: Ich bin da.

In die Enge deines Alltags und in die Weite deiner Träume und Hoffnung,

in die Schwäche deines Seins und in die Kräfte deines Herzens lege ich meine Zusage:

Ich bin da.

Menschen, die diese Erfahrung machen, dass Gott da ist, leben anders. Davon bin ich überzeugt. Der Glaube ist wie ein Anker, der uns festhält und bei allem, was uns im Leben aus der Bahn werfen kann, immer wieder an den Punkt zurückführen kann, wo wie spüren: Gott ist da.

Wer so lebt und dieses Vertrauen nicht wegwirft, wird erlöst, sagt Paulus. Denn es ist eine enorme Freiheit so zu leben und zu spüren: Gott stellt mein Leben in einen großen Zusammenhang. Auch wenn ich vieles nicht verstehe und einige meiner Fragen momentan keine Antwort finden, ich weiß, Gott hört mich und hat einen Plan. Darauf will ich mein Leben bauen.

Um Gemeinschaft mit Jesus, um Gottes Gegenwart, geht es auch beim Abendmahl, das wir gleich gemeinsam feiern werden. Wir sollen schmecken und spüren, wie freundlich uns Gott zugewandt ist, wie er uns stärken will an Leib und Seele. Das tun wir durchs Hören, aber auch durch die Gemeinschaft und durch die Erfahrung von Brot und Wein. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. (1 Kor 11,26)

Amen.

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