Predigt zu Christi Himmelfahrt über Daniel 7,1-14 von Kerstin Strauch

Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf: Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.

Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel ausgerissen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf die Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben.

Und siehe, ein anderes Tier, das zweite, war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friss viel Fleisch!

Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde Herrschergewalt gegeben.

Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner. Als ich aber auf die Hörner achtgab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge.

Da sah ich: Throne wurden aufgestellt, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer. Da ergoss sich ein langer feuriger Strom und brach vor ihm hervor. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht wurde gehalten und die Bücher wurden aufgetan. Ich sah auf um der großen Reden willen, die das Horn redete, und ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und in die Feuerflammen geworfen wurde. Und mit der Macht der anderen Tiere war es auch aus; denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte.

Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Ihm wurde gegeben Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

 

Liebe Gemeinde,

schweißgebadet steht er vor dem Bett. „Mama!“, ruft er und krabbelt unter die Bettdecke. Es ist mitten in der Nacht. Er kuschelt sich fest an sie. „Ist schon gut“, sagt die Mama und hält ihren Sohn fest im Arm. „Ich hab so was Schreckliches geträumt! Da waren wilde Tiere, die mich fressen wollten. Es kamen immer mehr. Ich hatte solche Angst.“ „Es war nur ein Traum“, sagt die Mama und streichelt ihr Kind. Der Kleine beruhigt sich. Irgendwann schlafen beide wieder ein.

Ist das alles ein nur ein schrecklicher Traum? Das fragen sich nicht nur Kinder.

Albtraumartige Bilder steigen in uns hoch: zerbombte Häuser, weinende Menschen, Bilder vom Amoklauf in Texas, Bilder voller Verzweiflung…

Daniel teilt seine Träume mit uns. Furchtbar sind die Bilder, die er beschreibt: vier Tiere, eines schrecklicher als das andere. Da ist der Löwe mit Flügeln, der wie ein Mensch daherkommt. Dann ein Tier, das seine Zähne fletscht und frisst, was ihm vor die Nase kommt. Der vierköpfige Panter ist ebenfalls beflügelt. Noch fürchterlicher ist das Tier mit den eisernen Zähnen, was alles zertrampelt. Der Kopf ist voller Hörner – schrecklich anzusehen. Ein Albtraum.

Doch dann: ein uralter Herrscher sitzt auf einem Thron. Ihm dienen Tausende, Feuerströme umgeben ihn. Er hält Gericht. Die Tiere kommen um. Daniels Traum geht weiter. Der Menschensohn erscheint. Er kommt mit den „Wolken des Himmels“ und erhält alle Macht.

Das letzte Bild hat dafür gesorgt, dass dieser Text zu Himmelfahrt ausgesucht wurde. Ein kleiner Hinweis am Ende des Traums. Der Menschensohn kommt – Jesus Christus fährt auf den Wolken des Himmels. Ihm wird alle Macht übergeben. Damit ist für Daniel der Albtraum beendet.

Himmelfahrt heißt aus einem Albtraum aufwachen. Was uns auch quält und manchmal sicher auch um den Schlaf bringt, was immer es ist, wir wachen auf. Noch sind wir schweißgebadet, unser Herz hämmert. Wir kriechen unter die Decke und zwar bei Jesus. Er hält uns im Arm. Hält mit uns aus, was uns Albträume macht. Das passiert an Himmelfahrt.

Denn mit diesem Ereignis erleben wir: Himmel und Erde verbinden sich, auch hier und heute. Der Himmel ist nicht abgeschnitten von den Ereignissen hier auf Erden. Ganz im Gegenteil. Die Verhältnisse kehren sich um! Der Himmel kommt zu uns. Bei Jesus finden wir Zuflucht. Er hat die Macht, Verhältnisse zu ändern. Das passiert im Gericht. Auch dieses Bild finden wir oft in der Bibel. Auch davon sprechen Visionäre, Träumer und Propheten. Das Gericht heißt: Jeder Albtraum wird ein Ende haben! Gott sorgt dafür, dass die fürchterlichen Tiere, die Angstgestalten, die Schatten verschwinden. Er bringt Ordnung in das Chaos unserer Welt. Wir schaffen das nicht allein. Wir aber dürfen aus diesem Albtraum erwachen und bei Jesus Zuflucht finden. Bei ihm ist Trost und Heil. Bei ihm werden wir heil.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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