Predigt zur Konfirmation 2021 von Kerstin Strauch

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

das hatten wir uns alles anders vorgestellt. Eigentlich hättet ihr schon längst konfirmiert sein sollen – am Palmsonntag nämlich, eine Woche vor Ostern. Dieser Sonntag ist in der Johanneskirche der traditionelle Konfirmationstermin. Doch es kam alles anders. All unser Planen, unsere Wünsche, unsere Erwartungen nutzten nichts. So eine KonfiZeit wie mit eurem Jahrgang hatten wir noch nie: Vieles ging nur auf Distanz. Aber es ging. Und so sitzen wir heute hier und euer großer Tag ist da.

Ihr seid größer geworden im letzten Jahr. Keine kleinen Kinder mehr. Für eure Eltern, Großeltern, Paten und alle, die euch heute hierher begleitet haben, ist die Zeit wahrscheinlich ziemlich schnell vergangen. Sie können sich noch lebhaft daran erinnern, wie es war, vor ein paar Jahren, als alles anfing mit euch, ihr noch klein wart. Ganz am Anfang, vor etwa dreizehn oder vierzehn Jahren.

Und so geht es uns ja allen. Ganz am Anfang sind wir, ist unser Leben, wie ein weißes Blatt (hochhalten). Weiß heißt auch unbeschrieben, so ist unsere Lebensgeschichte ganz am Anfang.

Dann werden wir älter. Wir atmen und leben. Vieles passiert. Rasch kann es passieren, dass wir umknicken (Blatt knicken).

Angenommen, wir falten dieses geknickte Blatt jetzt weiter zu einem Boot. Dann sieht es so aus. (Papierschiffe hochhalten) Solche kleinen Papierschiffe haben wir für euch alle vorbereitet. Ihr habt sie am Eingang bekommen. „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“, sagen manche auch zur Kirche. Wir werden das Lied nachher hören. Aber auch jeder einzelne und jede einzelne von uns ist wie so ein Boot, unterwegs im Meer der Zeit.

Zwischen Booten und Menschen gibt es nämlich gleich mehrere Gemeinsamkeiten.

Menschen und Schiffe werden getauft. Bei einer Schiffstaufe bekommt ein Schiff seinen Namen. Es heißt dann „Wahre Liebe“ oder so.

Gut, dass wir noch schönere Namen haben als die meisten Schiffe und Boote. Joshua und Leland, Antony, Rowena und Violetta – das sind viel schönere Namen. Dabei haben wir in der KonfiZeit erfahren: Wenn wir zu Jesus gehören, dann bekommen wir auch einen neuen Namen. Dann heißen wir nicht mehr nur …,  sondern auch Christin oder Christ.

Und so nehmen wir Fahrt auf über Wogen und Wellen – so wie unsere Papierschiffe hier. Wir fahren an Inseln und Riffen vorbei. Wir sind so manchen Stürmen des Lebens ausgesetzt. Die Gefahren sind groß.

Manchmal erleiden wir Schiffbruch. Das passiert dann, wenn wir schlimme Erfahrungen machen, eine Krankheit uns zu schaffen macht, ein Unfall sich ereignet oder wir Abschied nehmen müssen von einem lieben Menschen. Das geht nicht spurlos an uns vorbei und hinterlässt Spuren am Schiff des Lebens. Manchmal ist es sogar so heftig, dass der Bug abbricht. (Spitze abreißen)

Doch noch gehen wir nicht unter. Wir dümpeln in Seenot weiter, haben Leck geschlagen. Aber nicht immer kann das repariert werden.

Dann brauchen wir jemanden, der hilft. Niemals sind wir alleine unterwegs. Und so geht es weiter auf unserer Reise durchs Leben. Es gibt ruhigere Zeiten und heftige Stürme, die wir bestehen.

Und dann, ganz am Ende unserer Lebensreise, da kommt etwas auf uns zu, das können wir nicht besiegen. Das ist der Tod. Der schlägt unser Schiff so, dass wir zerbrechen und untergehen. Irgendwann geht jeder von uns unter und stirbt. Das wird nicht heute sein, aber es kommt – irgendwann. (andere Spitze abreißen)

Und nun zeigt sich, wie wunderbar es ist, dass wir auf unserer Reise mit Gott unterwegs waren. Denn als Christin und Christ werden wir im Hause Gottes bleiben. Wir sind in diesem Haus, im Hafen der Ewigkeit, geborgen. (auffalten)

Wir werden überleben! Und das hat hiermit zu tun: (Auffalten des Blattes zum Taufkleid) Das hier ist unser Taufkleid. Jesus Christus hat für uns den Tod und alles Böse auf sich genommen und überwunden. Er ist am Kreuz gestorben – für uns, damit wir leben können! („Ausschnitt“ des Kleides ausreißen)

Das Kreuz eröffnet uns eine ganz neue Sicht auf die Welt – schaut mal (Auffalten bist Kreuz mit Loch erscheint)

Durch das Kreuz scheint das Licht Gottes. Damit bekommen wir einen ganz neuen Blick auf die Welt. Denn durch unsere Taufe, so sagt es die Bibel, sind wir „Kinder des Lichtes“ und nichts und niemand kann uns von Gott trennen.

 

Ansprache

Heute, am Tag eurer Konfirmation, geht es auch um eure Taufe. Hier vorne am Taufbecken stehen schon eure Konfikerzen. Drei von euch sind vor Jahren hier, die beiden anderen nur wenige hundert Meter von hier entfernt in der Lutherkirche getauft worden. Auch damals wurde eine Kerze für euch angezündet als Zeichen, dass Jesus Christus als Licht über eurem Leben scheinen und euch Orientierung für euren weiteren Weg geben soll.

So zünden wir auch heute wieder eine Kerze für jeden von euch an. Sie soll daran erinnern, was euch zu eurer Taufe gesagt wurde und was ihr heute selbstständig noch einmal bekräftigen werdet: „Ja, ich will zu Gott gehören! Ja, ich will Teil seiner Gemeinde sein! Ja, ich will im Glauben wachsen.“

Dabei ist eines ganz wichtig: Wir sind nie allein auf der Fahrt durchs Leben!

Vorhin haben wir gehört, was Gott durch den Propheten Jesaja sagt: Musst du durchs Wasser gehen, so bin ich bei dir; auch in reißenden Strömen wirst du nicht ertrinken. (Jes 43,3) Und in der Geschichte vom sinkenden Petrus erfährt dieser, wie Jesus ihn rettet, als er unterzugehen droht. Diese Geschichten sprechen in Bildern davon, was es heißt, wenn ich nicht mehr weiter weiß, mein Leben bedroht ist, ich am Ende bin. „Mir steht das Wasser bis zum Hals“ sagen wir ja auch, wenn wir in so einer schwierigen Situation sind, dass wir keinen Ausweg mehr sehen. Gerade in diesen Moment steht Gott uns bei. Er zieht uns aus dem Wasser, hilft uns, nicht zu ertrinken im Meer aus Sorgen und Angst.

In den dunkelsten Stunden unseres Lebens sind wir nicht allein. Gott ist bei uns. Durch unsere Taufe gehören wir zu ihm. Er will das Licht unseres Lebens sein. Daran erinnert uns das Kreuz, durch das das Licht scheinen kann. Und daran sollen euch eure Kerzen erinnern, die gleich für euch angezündet werden sowie das kleine Geschenk, das auch mit dem Schiff des Lebens zu tun hat.

Ihr seid kein weißes Blatt mehr, nicht unbeschrieben, nicht ungeknickt. Gott hat seine Spuren hinterlassen – schon jetzt. Und er will weiter mit euch, mit uns unterwegs sein. Bis wir ganz am Ende im Hafen der Ewigkeit für immer geborgen sind. So sagt Jesus: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Amen.

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